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Die Wirkung von einzelnen Vitalstoffen wurde in den vergangenen Monaten und Jahren manchmal kontrovers diskutiert. Sicher ist: Sie alle dienen auf ihre Weise der Gesundheit des Menschen, doch ein bestimmtes Vitamin genoss und genießt in der öffentlichen Wahrnehmung stets einen herausragend guten Ruf – es ist, salopp gesagt, der „prominenteste“ Mikronährstoff: Die Rede ist, Sie ahnen es bereits, von Vitamin C, der Ascorbinsäure.
Deshalb verwundert es auch kaum, wenn die Bevölkerung mit dem Stichwort „Vitamin“ sicherlich als erstes Vitamin C assoziiert. Dass man frisches Obst und Gemüse als Vitamin-C-haltige Nahrungsmittel in ausreichender Menge täglich konsumieren sollte, ist ebenfalls im Bewusstsein vieler fest verankert. Und auch der Nutzen der Ascorbinsäure zur Stärkung der Abwehrkräfte – insbesondere in der Erkältungszeit – war schon unseren Müttern und Großmüttern bestens bekannt. Aber wer zum Beispiel weiß schon von seinen weiteren Qualitäten, etwa zur Stärkung des Binde gewebes oder der allgemeinen Leistungs fähigkeit? Die Ascorbinsäure ist also ein gutes Beispiel dafür, dass das allgemeine Wissen über Vitalstoffe nicht besonders ausgeprägt ist. Im Gegenteil: Obwohl Vitamin C vergleichsweise populär ist, mangelt es überraschend vielen Bundesbürgern an diesem Nährstoff. So ergab die so genannte „Nationale Verzehrstudie“ (NVS), dass ein Drittel aller Männer und Frauen beim Vitamin C nicht auf die empfohlenen Sollwerte kommen.
Daher gilt: Wenn es – aus welchen Gründen auch immer – mal nicht ausreichend viele Portionen Obst und Gemüse am Tag sein können, hilft eine entsprechende Nahrungsergänzung. Wie Sie ja bereits wissen, gibt es zudem Personengruppen, die ohnehin einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen haben, auch an Vitamin C. Und nicht zuletzt dient natürlich die Verbreitung von profundem Wissen über dieses „Multitalent“ unter den Vitalstoffen dazu, einer Mangelversorgung vorzubeugen.
André Kindling
Vorstandsmitglied GIVE e.V.

Im Zusammenhang mit Vitalstoffen ist häufig auch von Antioxidantien die Rede. Diese Stoffe hemmen oder verhindern die Oxidation. Man kann das sehr gut an einem aufgeschnittenen Apfel beobachten: Nach mehr oder weniger kurzer Zeit färbt sich die Schnittstelle braun, weil sie unter dem Einfluss des Luftsauerstoffs oxidiert. Manche Apfelsorten bräunen langsamer als andere; dieser Effekt beruht auf Antioxidantien. Im menschlichen Stoffwechsel laufen ständig Oxidationsprozesse ab; sie dienen der Energiegewinnung und sind Grundlage des Lebens auf der Erde. Wenn Oxidation allerdings unkontrolliert verläuft, können dadurch massive Schäden entstehen. Dabei sind freie Radikale im Spiel, das sind extrem reaktionsfreudige und deshalb sehr aggressive einzelne Sauerstoffatome oder unvollständige Moleküle. Sie werden unter anderem für Alterungsvorgänge und für die Entstehung vieler Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, verantwortlich gemacht. Schutz vor freien Radikalen bieten viele Vitalstoffe, die deshalb auch als Radikalfänger bezeichnet werden.

Freie Radikale sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht für den Organismus. Sie entstehen auch während der normalen Stoffwechselvorgänge als kurzlebige Zwischenprodukte bei chemischen Reaktionen. Als „frei“ werden sie deshalb bezeichnet, weil sie üblicherweise als Bestandteil eines Moleküls gebunden, also unfrei sind. Im Körper werden permanent freie Radikale gebildet, mit denen unter anderem Krankheitserreger bekämpft werden. Bei einem gesunden Menschen besteht ein Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und schützenden Antioxidantien. Wird dieses oxidative Gleichgewicht durch starke Belastungen gestört und zugunsten oxidationsfördernder Vorgänge verschoben, kommt es zum oxidativen Stress: Freie Radikale können dann nicht mehr im notwendigen Ausmaß entschärft werden. Diese unvollständigen Moleküle verbinden sich so schnell wie möglich mit allem, was gerade in der Nähe ist. Das können dann auch Zellen des Immunsystems sein oder Erbsubstanz. Dadurch werden Schäden angerichtet, deren Reparatur selbst einen gesunden Organismus oftmals überfordert. Verstärkt freien Radikalen ausgesetzt sind zum Beispiel Raucher, Menschen mit erhöhter Strahlungsexposition (auch Sonnenhungrige) oder Personen, die ungeschützt mit Giften zu tun haben. Durch Stress, Krankheiten und Umwelteinflüsse wie eben Rauch (der selbst jede Menge freie Radikale enthält) oder UV-Strahlung (die mit hoher Energie Moleküle auseinander bricht) können vermehrt freie Radikale gebildet werden, die der Körper nicht mehr problemlos entschärft. Inwieweit er dazu in der Lage ist, hängt zu einem guten Teil von der ausreichenden Versorgung mit Antioxidantien ab.
Zu den wichtigsten Antioxidantien gehören die Vitamine C, A und E, sowie einige Mineralien, allen voran die Spurenelemente Selen und Zink. Auch bestimmte pflanzliche Stoffe, wie etwa Carotinoide oder Flavoinide, haben antioxidative Eigenschaften. Sie fi nden sich in Obst und Gemüse oder auch in grünem Tee, Knoblauch, Ginseng und anderen Pflanzen. Die heilsamen Effekte von Vitamin C sind schon seit vielen Jahrzehnten bekannt und waren immer wieder Gegenstand der Forschung.
So schützt Vitamin C nicht nur vor Erkältungen. Es wirkt sich positiv bei vielen Krankheiten aus, die mit entzündlichen Prozessen verbunden sind. Auch Asthmapatienten scheinen davon zu profitieren: Eine britische Forschergruppe fand bei Asthmatikern einen niedrigeren Vitamin-C-Spiegel im Blutplasma als bei Gesunden. Zudem war bei ihnen auch der Gehalt an Mangan verringert – einem Spurenelement, das ebenfalls zu den Antioxidantien gezählt wird. Die Autoren raten Asthmatikern deshalb, ausreichend Zitrusfrüchte und andere Vitamin-C-haltige Lebensmittel auf den Speiseplan zu setzen1. Schon in einer früheren Studie zeigte sich bei den Teilnehmern, die am wenigsten Vitamin C und Mangan mit der Nahrung aufnahmen, ein im Vergleich zur Kontrollgruppe fünf Mal höheres Risiko, an Asthma zu erkranken2. Asthma geht mit einer chronischen Entzündung der Bronchien einher. Als möglicher Auslöser gelten freie Radikale in der Atemluft3.
Vitamin C spielt in zahlreichen Stoffwechselvorgängen eine zentrale Rolle und ist zudem ein wichtiger Faktor bei der Wundheilung, bei der Eisenaufnahme sowie bei der Bildung von Hormonen und Kollagen. Damit trägt es unter anderem zur Festigkeit von Bindegewebe, Knorpel und Knochen bei. Die wasserlösliche Verbindung ist in vielen Früchten und Gemüse enthalten, vor allem in Hagebutten, Sanddorn, schwarzen Johannisbeeren, Kiwis, Paprika und Kohl. Der Vitalstoff ist empfindlich gegen Hitze, Sauerstoff und Lagerung. Deshalb sollten Vitamin- C-haltige Nahrungsmittel möglichst frisch verzehrt werden.
Die antioxidativen Effekte von Vitamin C und E stellen nur einige Beispiele für die Schutzfunktion von Vitalstoffen dar. Während die Rolle vieler Vitamine und Spurenelemente im menschlichen Stoffwechsel teilweise schon sehr detailliert geklärt ist, sind sekundäre Pflanzenstoffe und ihre antioxidativen Eigenschaften noch recht unvollständig erforscht. Zu ihnen gehören beispielsweise viele pflanzliche Farbstoffe. Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischer pflanzlicher Kost ist nach wie vor die beste und sicherste Möglichkeit, sich optimal mit Vitalstoffen zu versorgen. Wenn dies nicht möglich ist oder erhöhter Bedarf besteht, etwa krankheitsbedingt, können Nahrungsergänzungsmittel die entstandenen Defizite decken.
Ein weiterer wichtiger Gegenspieler freier Radikale ist das fettlösliche Vitamin E. Die Bezeichnung Vitamin E ist genau genommen ein Sammelbegriff für ähnlich wirkende, eng miteinander verwandte Verbindungen, die Tocopherole und Tocotrienole. Sie können freie Radikale binden und unschädlich machen und benötigen dabei Vitamin C zur Regeneration. Insbesondere verhindert Vitamin E die Oxidation von Bestandteilen der Zellmembran. Vitamin E trägt zum Schutz der Gefäße vor Arteriosklerose bei, indem es die Oxidation von LDL-Cholesterin hemmt. Ein hoher Blutspiegel des „schlechten“ LDL-Cholesterins (im Gegensatz zum „guten“ HDL-Cholesterin) kann zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führen und ist damit ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen. Schon moderate Gaben an Vitamin E können eine positive Wirkung zeigen, solange sie regelmäßig erfolgen4. Das ist zum Beispiel für Diabetiker von Bedeutung: Sie tragen ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre – also das Herz und die Gefäße betreffende – Erkrankungen, die bei dieser Patientengruppe die häufigste Todesursache sind. Vitamin E ist hitzebeständig und wird hauptsächlich von Pflanzen gebildet. Es kommt in vielen fett- oder ölreichen Samen vor wie in Nüssen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen, Sesamund Leinsaat. In fettreiche tierische Lebensmittel wie Butter gelangt es über die Nahrungskette. Welche Funktion Vitamin E im menschlichen Körper genau hat, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielt es unter anderem eine Rolle beim Aufbau von Membranen, bei der Synthese von Enzymen und bei der Regulation genetischer Informationen.
1 Thorax 2006; 61:388
2 Thorax 1997; 52:166-170
3 University of Melbourne (2008, May 5): Free Radical Link Suggested Between Pollution And Asthma.
4 Am. J. Clin. Nutr. 2000; 72:1142-44

Raucher, Senioren und Frauen, die die „Anti-Baby-Pille“ nehmen, sind häufig nur unzureichend mit Vitamin B6 versorgt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Tufts University, Boston, Massachusetts, die mehr als 7.800 Blutproben von US-Amerikanern aus allen Altersgruppen untersuchten, ausgenommen Kleinkinder unter einem Jahr.
Die Epidemiologin Martha Savaria Morris und ihre Kollegen bestimmten den Blutgehalt an einem Stoffwechselprodukt, welches Rückschlüsse auf die Vitamin-B-Versorgung zulässt (Pyridoxalphosphat, kurz: PLP). Bei vielen Probanden lag der PLP-Spiegel unter dem Wert, der für eine dauerhaft ausreichende Versorgung als notwendig erachtet wird, obwohl sie die empfohlene Tagesdosis an Vitamin B6 zu sich nahmen.
Als besonders ausgeprägt erwies sich diese Diskrepanz bei männlichen Rauchern, bei Personen, die älter als 65 Jahre waren, und bei Frauen im gebärfähigen Alter. Extrem niedrige Werte stellten die Forscher bei Frauen fest, die die „Anti-Baby-Pille“ nahmen oder früher einmal genommen hatten. Bei Männern fi el der PLP-Spiegel ab dem Erwachsenenalter im Allgemeinen ab, aber nicht bei denjenigen, die Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel zuführten.
Die Autoren betonen, dass die Studie keine Ursachen aufzeige. Deshalb seien weitere Untersuchungen erforderlich, bevor man mögliche Folgen für die empfohlenen Tagesaufnahmewerte ableiten könne, so Morris und Kollegen. Ihre Studie werfe allerdings die Frage auf, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen ihre Nahrung gezielt ergänzen sollten, um angemessen mit Vitamin B6 versorgt zu werden.
Vitamin B6 ist in geringen Mengen in sehr vielen Lebensmitteln pfl anzlicher und tierischer Herkunft enthalten, beispielsweise in Kohl, Kartoffeln, Avocados, Bananen, Gefl ügel, Leber, Milchprodukten, Schweinefl eisch und Hefe. Es spielt eine wichtige Rolle im Aminosäurestoffwechsel, weshalb der Bedarf bei eiweißreicher Ernährung steigt. Vitamin-B6-Mangel kann eine Anämie verursachen, die der bei Eisenmangel ähnelt.
Quelle:
Morris MS, Picciano, MF, Jacques PF, Selhub, J; American Journal of Clinical Nutrition. 2008, May 8; 7:1446–54.

Eine gute Selenversorgung kann die Stimmungslage älterer Menschen verbessern. Viele Bewohner von Senioren und Pflegeheimen zeigen mehr oder weniger deutliche Symptome von Depression, in Großbritannien ist es etwa ein Drittel. Wissenschaftler an der britischen Universität Reading haben jetzt nachgewiesen, dass ältere Menschen, die unter Depressionen und Angstgefühlen leiden, ihre Stimmung durch eine bessere Selenversorgung anheben können. Die Forscher untersuchten den Einfluss von Selen, Vitamin C und Folsäure auf die Gemütslage einer Gruppe von Pflegeheimbewohnern, von denen 29 Prozent deutliche Symptome von Depression und 24 Prozent Symptome von Angst zeigten.
Zur Beurteilung der Stimmungslage wurden standardisierte Fragebögen eingesetzt. Bei der Auswertung (Maßstab: Hospital Anxiety and Depression Rating Scale HAD und Montgomery- Asberg Depression Rating Scale MADRS) ergab sich ein Zusammenhang zwischen Depressionen und Selenversorgung. Nach einer achtwöchigen Gabe von Mikronährstoffen war der Selenspiegel der Probanden erhöht und die Stimmung deutlich verbessert. Schon früher hatte man beobachtet, dass bei jüngeren Menschen Defizite an diesem Vitalstoff mit Depressionen in Verbindung gebracht werden können. Folsäure und Vitamin C zeigten hingegen in dieser Untersuchung keine Auswirkungen auf die Gemütslage, obwohl 67 Prozent der Probanden niedrige Vitamin-CSerumwerte aufwiesen.
Quelle:
Gosney MA et al.: Effect of micronutrient supplementation on mood in nursing home residents; Gerontology. 2008, May 8.

Omega-3-Fettsäuren schützen vor Netzhautschäden. Die Hauptursache für einen schwerwiegenden Sehkraftverlust bei älteren Menschen ist die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Welchen Einfluss die Ernährung auf das Leiden hat, haben australische Wissenschaftler von der Universität Melbourne untersucht. Sie verglichen neun bereits veröffentlichte Studien und kamen zu dem Ergebnis: Das Erkrankungsrisiko kann mit dem Verzehr von Fisch und anderen Nahrungsmitteln, die reich an Omega-3- Fettsäuren sind, gesenkt werden.
Für ihre Untersuchungen analysierten die Forscher die Daten über Fischkonsum und Gesamtaufnahme von Omega- 3-Fettsäuren von insgesamt 88.974 Studienteilnehmern – darunter litten 3.203 Personen an AMD. Man beobachtete ein um 38 Prozent verringertes Risiko für den fortgeschrittenen Verlauf bei Personen, die eine große Menge an Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung zu sich nahmen. Zwei Fischgerichte in der Woche – so ermittelten die Wissenschaftler – reduzierten das Risiko sowohl für frühe als auch für fortgeschrittene Formen der Krankheit.
Langkettige Omega-3-Fettsäuren kommen in der Netzhaut vor. Sie gehören zu den essentiellen Fettsäuren, d. h. der Körper kann sie nicht bilden und muss sie mit der Ernährung aufnehmen. Natürliche Lieferanten sind neben bestimmten Pflanzenölen wie Walnussoder Leinsamen-Öl fette Fischarten aus den Kaltwasserregionen der Ozeane. Diese Nahrungsmittel sind auf dem deutschen Speiseplan aber nicht weit verbreitet. Zusammen mit anderen Mikronährstoffen wie Lutein und Zeaxanthin schützen Omega-3-Fettsäuren die empfindlichen Photozellen der Netzhaut1 und wirken so der AMD entgegen. Um eine ausreichende und regelmäßige Versorgung mit diesen Mikronährstoffen zu erreichen, haben sich Vitalstoff-Präparate bewährt.
Quelle:
Chong Elaine W-T et al.: Eating fish and foods with omega-3 fatty acids linked to lower risk of agerelated eye disease; JAMA and Archives Journals. 2008, June 11.
1 Cangemi FE, TOZAL study: An open case control study of an oral antioxidant and omega-3 supplement for dry AMD; BMC Ophthalmology. 2007; 7:3.
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