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Vitalstoffe – aber sicher!

Wir alle möchten gesund sein und bleiben und alles dafür tun, was uns möglich ist. In erster Linie gehört dazu eine gute Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Nun lassen sich die Wenigsten ihre Mahlzeiten vom Ernährungsberater zusammenstellen – welche Lebensmittel wie vitaminreich sind oder nicht, kann man aber ohne weiteres nachlesen, nicht zuletzt dieser Newsletter soll ja zur Orientierung bei der Versorgung mit Mikronährstoffen dienen. In der Regel wird es aber so sein, dass man als gesundheitsbewusster Mensch bei seinen Mahlzeiten auf einen ausreichenden Gemüseanteil achtet und ansonsten öfters mal Obst isst.

Ob eine „vitaminbewusste” Ernährung ausreicht, um seinen Bedarf an Vitalstoffen zu decken, ist allerdings in vielen Fällen fraglich. Erhebungen zum Essverhalten zeigen immer wieder, dass viele Menschen nicht ausreichend und schon gar nicht optimal mit etlichen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt sind. Verantwortlich dafür sind nicht nur Krankheiten, sondern auch Lebensweise (Rauchen, Alkoholkonsum) und besondere Lebensumstände, wie etwa Schwangerschaft, berufliche Faktoren usw. So haben vor allem ältere Menschen einen höheren Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter eine Reihe von Erkrankungen gehäuft auftritt, Diabetes und Osteoporose beispielsweise, die einen erhöhten Vitalstoffbedarf mit sich bringen.

Viele Betroffene greifen deshalb mehr oder weniger häufig zu Vitalstoffpräparaten. Nicht immer sind diese vom Arzt verordnet oder vom Apotheker empfohlen. Um so wichtiger ist es bei der Selbstversorgung mit solchen Präparaten, dass diese klar und eindeutig deklariert sind und dass man sich auf die Angaben der Hersteller absolut verlassen kann. Rechtlich zählen die Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln, und für die gibt es Sicherheits- und Qualitätsvorschriften, deren Einhaltung kontrolliert wird.

Renommierte Hersteller deklarieren ihre Produkte auch jetzt schon klar und nachvollziehbar. So muss beispielsweise nicht nur die absolute Menge der Inhaltsstoffe angegeben werden, sondern auch (im Falle von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen) der jeweilige Tagesbedarf und die jeweils empfohlene Tagesdosis.

Auf jeden Fall sollte der allgemeine Grundsatz beherzigt werden, nicht blind irgendwelchen Angaben und Versprechen zu vertrauen, vor allem nicht bei Produkten, die z. B. über das Internet bezogen werden und deren Herkunft nicht völlig eindeutig ist. Gerade wer sich selbst mit Präparaten versorgt, sollte nur auf Produkte anerkannter Hersteller zurückgreifen. Im Zweifelsfall steht sicher jeder Arzt und Apotheker gern mit kompetentem Rat zur Verfügung.

Kay Richter

Mit Sicherheit gut versorgt

Wie viel Vitalstoff braucht der Mensch?
Wir haben alle eine Vorstellung davon, was ein „Vitamin“ ist, andere Begriffe wie „Nahrungsergänzungsmittel“ oder „Mikronährstoffe“ sind uns mehr oder weniger geläufig. Die Fachwelt kann diese Bezeichnungen recht klar definieren und abgrenzen, den allermeisten Laien dagegen genügt es, zu wissen, dass man ohne diese Substanzen nicht leben kann. „13 Vitamine, 15 Mineralstoffe, 8 Aminosäuren und verschiedene Fettsäuren müssen lebenslang mit der Nahrung zugeführt werden, dazu kommen einige Tausend Pflanzeninhaltsstoffe, die wichtige Funktionen im Stoffwechsel übernehmen“, so beschreibt Prof. Dr. Dr. med. Karlheinz Schmidt, Mediziner und Chemiker an der Universität Tübingen, den aktuellen Wissensstand*.

Gute alte Bekannte
So verwirrend diese Vielfalt sein mag, wir haben ein enormes Wissen über Vitalstoffe & Co. Damit sind nicht einmal die Naturwissenschaftler und Mediziner gemeint, sondern jeder einzelne Organismus. Unsere Evolution wäre ohne Vitamine und Mineralien gar nicht möglich gewesen. Es sind unverzichtbare Faktoren für das reibungslose Funktionieren des Körpers, mit denen er seit Millionen von Jahren Erfahrung hat. Vitalstoffe sind folglich alte Bekannte, mit denen man aber richtig umgehen sollte. Für den Einzelnen stellen sich daher die Fragen: Nehme ich genügend Vitamine und Mineralien über die Ernährung zu mir? Benötige ich zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel für eine optimale Versorgung und welche konkret? Kann es sein, dass ich zuviel eines Mikronährstoffs zu mir nehme und damit meiner Gesundheit sogar schade?

Des Guten zu viel oder zu wenig?
Mit der Frage nach einem „grünen Bereich“ will man eigentlich den Ist-Zustand dem Soll-Zustand anpassen, und dafür benötigt man einen Referenzwert. Den gibt es tatsächlich vor allem für Vitamine und Mineralstoffe „Die empfohlene Zufuhr ist die durchschnittliche tägliche Nährstoffaufnahme, die ausreicht, um den Bedarf nahezu aller (97,5 Prozent) gesunden Individuen einer definierten Personengruppe zu decken“, so Prof. Schmidt. Diese Referenzwerte sind allerdings nicht als starre Richtlinien zu verstehen, sie entsprechen dem jeweiligen wissenschaftlichen Wissensstand und können demnach immer nach oben oder unten korrigiert werden. „Es verändert sich ja auch die Bevölkerung ständig, so werden wir in der Bundesrepublik immer älter, immobiler und adipöser“, so der Tübinger Mediziner.

Blickt man auf die aktuelle Ernährungslage in Deutschland, erscheint ein „Zuviel“ an Vitalstoffen eher unwahrscheinlich. Das Risiko einer Überdosierung durch legal im Verkehr befindliche Nahrungsergänzungsmittel und bei sachgemäßer Verwendung des Endverbrauchers ist gering, zumal die Dosierung in einem sicheren ernährungsphysiologischen, nutritiven Bereich erfolgt und sich die Mengen in der Regel weit unter den erlaubten Höchstmengen befinden. Es besteht im Gegenteil eher der umgekehrte Fall eines Risikos einer Unterversorgung.
Laut den Ergebnissen der Nationalen Verzehrsstudie II aus dem Jahr 2008 des Max-Rubner-Instituts/Karlsruhe ist die Situation sogar alarmierend: 86 Prozent der Frauen und 79 Prozent der Männer sind nicht ausreichend mit Folsäure versorgt, noch schlechter ist die Lage bei Vitamin D. Aber auch bei anderen Mikronährstoffen wie z. B. Vitamin C, Eisen und Jod werden zum Teil deutliche Defizite gefunden.

Gründe für diese nationalen Defizite gibt es mehrere. „Der idealen Ernährung steht die reale Alltagskost entgegen“, erläutert Prof. Dr. Michael Hamm von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg*. Der Ökotrophologe sieht fehlendes Ernährungsbewusstsein und Ernährungswissen, das häufige und zum Teil rigorose Diätverhalten aus Gewichtsgründen, Zeitmangel, den großen Anteil an Fast Food und Fertigprodukten, den hohen Verarbeitungsgrad der Lebensmittel sowie Fehler bei der Lagerung und Zubereitung von Gemüse und Salat als die wesentlichen Hemmnisse für eine vollwertige Ernährung.

Einer Mangelsituation an Vitalstoffen kann man mit einer zusätzlichen Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln begegnen. Und dann könnte sich die Frage des „Zuviel“ stellen. Dazu Prof. Schmidt: „Wir haben jahrzehntelange Erfahrung über die Sicherheit höherer Zufuhren und können daher sagen: Zu wenig ist bedenklich, zu viel recht selten!“

Wer hat es nötig?
Die wissenschaftlichen Untersuchungen dokumentieren nicht nur ein weit verbreitetes Vitalstoff-Defizit, sondern auch ein besonderes Versorgungsrisiko für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Hierzu zählen laut Prof. Hamm Schwangere und Stillende bei gesteigertem Mehrbedarf an Mikronährstoffen bei verhältnismäßig geringem Mehrbedarf an Energie sowie Kinder und Jugendliche im Wachstum. Weitere Risikogruppen sind Sportler, Senioren und Vegetarier, hier insbesondere Veganer. Sie müssen daran denken, dass bestimmte Mikronährstoffe aus pflanzlicher Nahrung mit anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen interagieren können und daher für den Körper nicht so gut verfügbar sind wie bei tierischer Nahrung. „Generell ist darauf zu achten“, so Prof. Hamm, „dass bei dem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittelgruppen nicht auch auf einen Mikronährstoff verzichtet wird.“

Natürlich hängt der individuelle Vitalstoff-Bedarf auch von persönlichen Faktoren ab, dazu zählen Alter, Geschlecht, Körpergröße, Gewicht, Gesundheitszustand, berufliche Anforderungen, die Einnahme von Medikamenten oder Genussmitteln wie Alkohol oder Tabak u. a.

Uwe Gröber, Apotheker und Leiter der Akademie für Mikronährstoffmedizin in Essen, sieht in einer ausreichenden Vitalstoff-Versorgung wichtige Voraussetzungen für ein starkes Immunsystem, für die körperliche und geistige Entwicklung und für die allgemeine Leistungsfähigkeit. Insbesondere Vitamin D3 und Calcium, Folsäure und Vitamin B12, Vitamin C, bestimmten Omega-3-Fettsäuren wie Docosahexaensäure (DHA), Magnesium und Selen bescheinigt er ein „hohes Potenzial zur Vorbeugung ernährungsbedingter Erkrankungen“*. Er sieht aber auch das Problem, das sich dem Einzelnen stellt: Wie kann jeder individuell beurteilen, wie gut er mit Vitalstoffen versorgt ist? „Ich würde zuerst meine persönlichen Umstände – also Ernährung und Lebensstil – betrachten und abschätzen, ob ich zu einer Risikogruppe zähle. Dann ist es sinnvoll, kompetenten Rat z. B. in einer Apotheke einzuholen. Wer ganz sicher gehen möchte, dem empfehle ich, die kritischen Mikronährstoffe durch labormedizinische Untersuchungen kontrollieren zu lassen.“

Fazit: Der Körper braucht seine Vitalstoffe, ohne sie kann er nicht existieren. Die Gefahr einer Überversorgung ist in der Realität kaum gegeben, tatsächlich weisen breite Bevölkerungskreise und hier besonders bestimmte Risikogruppen dauerhaft ein Defizit an einzelnen Mikronährstoffen auf.

* anlässlich eines Expertengesprächs im Oktober 2009 in Münster

Risikogruppen bei der Vitaminversorgung

Fragen an Prof. Dr. Michael Hamm von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg

In Mitteleuropa sollte niemand an einem Vitamin- oder Spurenelementemangel leiden müssen; frische Nahrungsmittel sind wohl wie niemals zuvor reichlich im Handel erhältlich. Insgesamt ist die Versorgung mit Vitalstoffen im Bevölkerungsdurchschnitt durchaus ausreichend. Verschiedene Untersuchungen zeigen allerdings immer wieder, dass trotzdem viele Menschen Defizite bei bestimmten Vitaminen haben, in erster Linie bei Folsäure und Vitamin D. Zuletzt belegte die Nationale Verzehrsstudie II diesen Befund. 90 Prozent aller Frauen und über 80 Prozent aller Männer erreichen demnach nicht die offiziell empfohlenen Vitamin-D-Werte, für Folsäure sind die Prozentzahlen nicht ganz so hoch. Diese Zahlen beziehen sich wohlgemerkt auf die Gesamtbevölkerung. Darüber hinaus haben viele Menschen aufgrund von Krankheiten, ihrer Lebensumstände, individueller physiologischer Besonderheiten oder anderer Faktoren einen erhöhten Bedarf an Vitalstoffen, der häufig nicht ohne weiteres über die Ernährung abgedeckt werden kann.

Welche Bevölkerungsgruppen haben überdurchschnittliche Ansprüche bei der Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen?
An der Zahl der Betroffenen gemessen sind das vor allem ältere Menschen, Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, chronisch Kranke und Patienten, die regelmäßig bestimmte Medikamente einnehmen, außerdem Raucher und Personen mit regelmäßigem oder generell hohem Alkoholkonsum. Aber auch Sportler und Menschen, die besondere Diäten einhalten, wie etwa Veganer oder Patienten mit bestimmten Unverträglichkeiten zählen zu den betroffenen Bevölkerungsgruppen.

Warum gelten Senioren als Risikogruppe?
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper, bestimmte Funktionen lassen nach, Essens- und andere Lebensgewohnheiten ändern sich. Im Alter verringert sich der Energiebedarf, infolgedessen essen Senioren weniger. Ihr Vitalstoffbedarf verringert sich aber nicht! Außerdem können viele Menschen in höherem Alter nicht mehr so gut kauen und bevorzugen deshalb weich gekochte Nahrung; das bedeutet, sie haben weniger frisches Obst und Gemüse auf dem Teller. Entsprechend verringert sich ihre Vitaminzufuhr, beispielsweise für die lagerungsempfindlichen Vitamine C und Folsäure.
Je unbeweglicher Menschen werden, desto mehr halten sie sich nur noch im Haus auf. Ihnen fehlt es dann an Sonnenlicht, das in der Haut Vitamin D bildet. Der Nationalen Verzehrsstudie zufolge kommen nur 3 Prozent der Frauen und nur 6 Prozent der Männer auf die empfohlenen Vitamin-D-Zufuhrmengen. Darunter leidet auch die Gesundheit der Knochen, und so erhöht sich zusammen mit mangelnder Bewegung das Osteoporoserisiko. Für ihre Knochenstabilität sollten Senioren deshalb auch auf eine gute Calciumzufuhr achten. Dies ist besonders kritisch zu sehen, da gerade Menschen im hohen Alter unsicherer beim Gehen werden und ein Sturz oft sehr viel ernstere Folgen für sie haben kann als für einen jungen Menschen. Mit dem Älterwerden verliert der Körper mehr und mehr seine Fähigkeit, das unter anderem für die Nerven und die Bildung roter Blutkörperchen wichtige Vitamin B12 aus der Nahrung aufzunehmen.

Sind nicht gerade Folsäure und Vitamin D auch für Schwangere von großer Bedeutung?
Allerdings. Schwangere haben generell einen etwas höheren Bedarf an vielen Vitalstoffen, weil sie ja zusätzlich den Fetus mitversorgen müssen und diesem möglichst optimale Bedingungen geboten werden sollten. Folsäure ist speziell für die Entwicklung des Neuralrohres notwendig, also auch für das ganze Nervensystem. Eine gute Folsäureversorgung schon in der frühesten Schwangerschaft verringert deutlich das Risiko für Fehlbildungen. Vitamin D wird für gesundes Wachstum der Knochen und der Zähne benötigt. Da Vitamin-D-Defizite ohnehin weit verbreitet sind, sollten Schwangere verstärkt dafür sorgen, dass sie ausreichend mit diesem Mikronährstoff versorgt sind. Dies gilt für die Stillphase, in der das Kind ausschließlich auf die Nährstoffversorgung von der Mutter angewiesen ist. Schwangere brauchen zudem wegen ihres höheren Stoffwechselumsatzes mehr Jod für die Bildung von Schilddrüsenhormonen, die für die Gehirnentwicklung wichtig sind. Vor allem aber erhöht sich der Eisenbedarf von Schwangeren wegen des größeren Blutvolumens (ihr eigenes plus das ihres Kindes) auf das Doppelte.

Was ist mit Kindern und Jugendlichen?
Gilt für sie das gleiche wie für Kleinkinder?

Nicht ganz. Der springende Punkt ist das Wachstum: Kinder und Jugendliche benötigen vor allem ausreichend Aufbau-, Regler- und Schutzstoffe, um ihren Organen und ihrem Skelett einschließlich der Zähne eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen. Deshalb sollten sie gut mit Calcium (in Milch und Milchprodukten) und Jod versorgt sein. Für eine Reihe von Wachstumsprozessen und das Nervensystem sind auch die Vitamine der B-Gruppe entscheidend.

Und die Risikogruppen Sportler und Vegetarier?
Da sich Sportler stärkeren körperlichen Aktivitäten aussetzen, haben sie einen erhöhten Stoffwechsel. Dafür brauchen sie B-Vitamine und Eisen. Aber auch Calcium für stabile Knochen – bei stärkerer Belastung lagern sie mehr Calcium ein. Sportler schwitzen in der Regel stärker und verlieren dabei Mineralstoffe, allen voran Magnesium.
Vegetarier, besonders Veganer, laufen Gefahr, zu wenig derjenigen Vitalstoffe zu sich zu nehmen, die in erster Linie in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft enthalten sind. Das sind Vitamin D (in Milch und Seefisch) Vitamin B2 und B12 (in Fleisch), sowie die Mineralstoffe Eisen und Zink (auch im Fleisch) und Calcium (Milch und Milchprodukte).

Wenn ich nun zu einer dieser Risikogruppen gehöre, kann ich dann drohende Defizite durch eine angepasste Ernährung ausgleichen?
Je nachdem. Wenn ich eine rigorose Schlankheitsdiät mache oder bei bestimmten Unverträglichkeiten die Nahrungsauswahl stark einschränken muss, geht das natürlich nur sehr bedingt. In jedem Fall ist ein fundiertes Lebensmittelwissen erforderlich. Das gilt ganz besonders für Veganer. Bei einem Sportler (wenn er nicht gerade Leistungssportler ist) oder Kindern und Jugendlichen dürfte das nicht sehr schwierig sein. Anders bei den Hauptrisikogruppen Schwangere und Senioren. Bei Schwangeren ist der Bedarf an bestimmten Mikronährstoffen im Gegensatz zum Energiebedarf derart erhöht, dass ein Ausgleich über die Ernährung allein sehr schwierig ist (Folsäure!). Bei Senioren sind es die Lebensumstände und die nachlassenden Funktionen des Körpers, die dem im Wege stehen. Wer nicht gut kauen kann, hat bestenfalls die Möglichkeit, anstelle von knackig-frischem Obst und Gemüse auf Säfte zurückzugreifen. Kann der Körper aber nur noch eingeschränkt Vitamin B12 resorbieren, dann geht ein Ausgleich nur über eine sehr stark erhöhte Zufuhr.

Vertrieb von glucosamin- und chondroitinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln

Glucosamin ist ein im Organismus natürlich vorkommender Aminozucker mit Wirkungen auf die Gelenke. Er wird als Arzneimittel bei degenerativen Erkrankungen (Arthrosen) des Kniegelenks eingesetzt und kommt auch (in niederer Dosierung) in zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln – häufig in Kombination mit Chondroitinsulfat – vor.

Mit einem jüngsten Urteil vom 11. Juni 2009 entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg, dass die Verwendung der funktionellen Stoffe Glucosamin und Chondroitin in Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) ohne vorherige Genehmigung zulässig sei. Somit hat diese Entscheidung grünes Licht für den Vertrieb derartiger NEM gegeben, jedenfalls für solche, bei denen die Tagesdosis von Glucosamin unterhalb von 1.250 mg und von Chondroitin nicht über 1.200 mg pro Tag liegt.

Nicht nur das Ergebnis, auch die Begründung der Urteilsentscheidung ist spektakulär. Bereits das OLG hatte in der Vorinstanz Glucosamin und Chondroitin als „charakteristische Zutaten“ und nicht als zulassungspflichtige (ernährungsphysiologische) Zusatzstoffe bewertet. Das OLG bestätigte diese Entscheidung, wich jedoch in der Begründung ab und stellte auf die Sicherheit der Stoffe ab, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits festgestellt hatte. Aus dieser Beurteilung einer gesundheitlichen Unbedenklichkeit folgert das OLG aus den Vorschriften der europäischen Lebensmittelbasisverordnung, dass Lebensmittel mit solchen als sicher eingestuften Stoffen auch nach deutschem Recht verkehrsfähig seien. Dies ist vor allem auch deshalb bemerkenswert, da das OLG Hamburg bisher die letzte Insel nationaler Gerichte war, die noch am deutschen Zusatzstoffrecht alter Prägung festhielt. Somit sind nunmehr Stoffe keine zulassungspflichtigen Zusatzstoffe, wenn sie „charakteristische Zutaten“ oder nachweislich sicher im Sinne der Lebensmittelbasisverordnung sind.

Quelle:
Meyer A H et al.; Lebensmittelrecht-Rechtsprechungsübersicht der Jahre 2008/2009, Deutsche Lebensmittel Rundschau DLR, 105. Jahrgang, Oktober 2009, Behr's Verlag Hamburg

Die Festlegung von Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln

Unsere Ernährung ist nicht nur für die Bereitstellung von Energie wichtig. Der Körper benötigt außerdem Vitamine und Mineralien. Diese steuern den gesamten Stoffwechsel und spielen im Immunsystem eine entscheidende Rolle. Sie werden als Einzel- und Multipräparate und zur Anreicherung von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs eingesetzt.

Gegenwärtig existieren europaweit keine einheitlichen konkreten Werte für Höchstmengen für die Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen. Die „sichere“ Höchstmenge ist daher bislang noch eine Einzelfallentscheidung. Sowohl die Anreicherungs-Verordnung 1925/2006 also auch die Nahrungsergänzungsmittel-Rich-Text-Eingabe im VollbildRichtlinie 2002/46/EG sehen allerdings in Artikel 6 bzw. Artikel 5 die Harmonisierung von Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe vor. Die Anreicherungs-Verordnung 1925/2006 bestimmt eine Vorlage von Vorschlägen für Höchstmengen bis zum 19. Januar 2009. Diese Vorgabe konnte jedoch seitens der Kommission bis jetzt nicht eingehalten werden.

Um die Arbeiten zur Festlegung von Höchstmengen voranzubringen, wurde 2008 auf EU-Ebene eine ad-hoc-Expertengruppe eingerichtet, der Vertreter aus sieben Mitgliedstaaten angehören. Diese diskutiert insbesondere die verschiedenen möglichen Berechnungsmodelle für Höchstmengen. Anfang 2009 wurde eine Einigung über den generellen Ansatz erzielt:
Die Expertengruppe verständigte sich darauf, das ERNA/EHPM-Modell1 für Nahrungsergänzungsmittel und das „Gubbio-Modell“ für angereicherte Lebensmittel2 zu verwenden. Beiden Modellen liegen zur Berechnung die Werte des so genannten Tolerable Upper Intake Level zugrunde; dabei handelt es sich um von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte Werte, bei denen auch bei täglicher und langfristiger Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen aus allen Quellen nicht mit einem Risiko gerechnet werden muss.

Derzeitiger Stand zu den Höchstmengen ist eine Aufforderung der Kommission an die Mitgliedsstaaten, auf der Basis nationaler Verzehrdaten eigene Berechnungen mit den beiden Modellen durchzuführen. Auch die Kommission selbst führt Höchstmengenberechnungen auf Basis der von den Mitgliedstaaten gelieferten Daten durch. Es wird erwartet, dass die Kommission Anfang 2010 konkrete Vorschläge vorlegt.

Quellen:
1 www.erna.org/UserFile/Vitamin%20and%20Mineral%20Supplements.pdf
2 www.ilsi.org/Europe/Pages/AdditionofNutrients.aspx

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V.i.S.d.P.:
Kay Richter
Ebba Loeck

Redaktion:
Sepideh Roozbiany

Ausgabe:
Oktober | November 2009

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