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Entzündliche Erkrankungen sind weit verbreitet. Sie reichen von Entzündungen der Haut über Multiple Sklerose bis hin zu mehreren hundert Formen rheumatischer Erkrankungen. Allen gemeinsam ist, dass sie als chronische Leiden das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Mit zunehmender Dauer werden sie zumeist immer schlechter therapierbar und können den Organismus schließlich schwer schädigen.
Normalerweise sind Entzündungen die gesunde Reaktion des Körpers auf eine Störung – in aller Regel auf eine Infektion. Mit der Entzündung wird die Immunabwehr mobilisiert. Der Organismus versucht damit, die Störquelle auszuschalten. Problematisch wird es jedoch, wenn das Immunsystem tatsächlich nicht fremde Erreger, sondern irrtümlich eigenes Gewebe wie Gelenkknorpel oder Nervenzellhüllen attackiert oder in den Gefäßen auf immer wiederkehrende Reize wie einen zu hohen Cholesterinspiegel reagiert. Dann ist die Beseitigung des Auslösers zum Scheitern verurteilt, das Entzündungsgeschehen verselbstständigt sich.
Ein wichtiges Regulativ in dieser Situation sind Antioxidantien. Denn diese machen freie Radikale unschädlich, die von aktivierten Immunzellen massenhaft gebildet werden. Das hat zwei Auswirkungen. Erstens verhindern die Antioxidantien die unmittelbar von den freien Radikalen provozierten Schäden in den von der Entzündung betroffenen Organen. Und zweitens aktivieren freie Radikale normalerweise einen Stoffwechselweg, bei dem am Anfang die Arachidonsäure und am Ende eine Reihe von Entzündungsstoffen (wie Prostaglandine) stehen. Wird dieser Stoffwechselweg durch Antioxidantien blockiert, kann auch das Entzündungsgeschehen nicht weiter befeuert werden. Der Teufelskreislauf kommt zum Erliegen, der Krankheitsverlauf ist oftmals verlangsamt und milder.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien und Anwendungsbeobachtungen, die den positiven Einfluss von Antioxidantien auf eine Reihe von chronisch-entzündlichen Erkrankungen nahe legen. So sind die Ergebnisse für Vitamin E, Selen, Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren viel versprechend. Man weiß heute, dass Rheumapatienten und Menschen mit einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung unter hoch dosierter Vitamin E-Supplementierung länger schmerzfrei sind und Schmerzmittel einsparen können. Aber auch bei bestimmten Augenleiden, der Alzheimer-Demenz oder entzündungsbedingten Schilddrüsen-Unterfunktionen gibt es gute Hinweise.
Der vorliegende Newsletter soll einen kleinen Überblick darüber geben, wann und bei welchen Krankheiten der Einsatz von Antioxidantien als Ergänzung zur Standardtherapie sinnvoll sein kann.
Dr. Andreas Erber
Vorstandsmitglied GIVE e.V.

Wenn die Abwehr zum Angriff übergeht
Entzündungen sind eigentlich eine gesunde Reaktion des Körpers. Ohne sie würden wir nicht lange leben. Denn mit ihnen schützt sich der Organismus vor Mikroorganismen, Viren und anderen schädlichen Eindringlingen – und wie der Name „Entzündung“ schon vermuten lässt, geht es während der Abwehrschlacht heiß her. In der immunologischen Rüstkammer sind besonders freie Sauerstoffradikale (oder wissenschaftlich korrekter „reaktive Sauerstoff-Spezies“, ROS) eine der universellen Waffen gegen mikrobielle Bollwerke. Sie werden von bestimmten Abwehrzellen gebildet, sind energiegeladen und sehr effizient in der Bekämpfung der ungebetenen Eindringlinge.
Gegen die eigenen Reihen
Aber nur solange die Immunantwort tatsächlich gegen Erreger gerichtet ist und nicht überschießt. „Normalerweise sind Entzündungsreaktionen selbstlimitierend und führen zu keiner gravierenden Schädigung des Organismus, da der Körper über hemmende Mechanismen verfügt, die in Gang gesetzt werden“, erklärt Prof. Dr. med. Brigitte M. Winklhofer-Roob von der Karl-Franzens-Universität Graz*. Doch leider gibt es häufige Ausnahmen. Das sind die so genannten Autoimmunerkrankungen, bei denen die Abwehr aus noch unerfindlichen Gründen plötzlich gegen körpereigenes Gewebe vorgeht – und es sind Entzündungen, bei denen ein laufend wiederkehrender Stimulus das Immunsystem nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. Zu Autoimmunerkrankungen gehört die sehr unübersichtliche Zahl verschiedener rheumatischer Erkrankungen, aber auch Multiple Sklerose (Nervenzellhüllen), Morbus Crohn (Dick- und Dünndarm) und Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüse). Zu den chronifizierten und auf Dauer ebenfalls massiv gewebeschädigenden Entzündungen zählen beispielsweise Parodontitis, Atherosklerose und Asthma bronchiale.
Allen gemeinsam ist, dass bei der oft jahrelangen Abwehrschlacht des Organismus verstärkt die aggressiven freien Radikale freigesetzt werden. Das hat gravierende Folgen. Die Sauerstoffradikale sind durch ihre Reaktivität nicht nur unmittelbar schädlich, indem sie „brandgefährlich“ mit den Zellstrukturen umgehen, sie starten noch einen zweiten destruktiven Prozess. Prof. Dr. Olaf Adam von der Ludwig-Maximilians-Universität München*: „Bei bestimmten entzündlichen Erkrankungen werden in großen Mengen Sauerstoffradikale gebildet, die das gesunde Gewebe angreifen und schädigen können. Die Sauerstoffradikale wiederum verstärken die Entzündungsreaktionen, wobei noch mehr Radikale freigesetzt werden.“ Der Schlüssel hierzu ist die membrangebundene Arachidonsäure in den Immunzellen.
Diese wird – wenn nur genügend freie Radikale die richtigen Enzyme aktivieren – zu Entzündungsbotenstoffen wie Prostaglandinen und Leukotrienen umgewandelt. Die Botenstoffe aktivieren weitere Immunzellen, so dass die Entzündung weiter angeheizt wird. „Das führt wiederum zur vermehrten Freisetzung von reaktiven Sauerstoffverbindungen“, so Prof. Winklhofer-Roob. „Es kommt ein Teufelskreis in Gang, der sich häufig auch in Form einer chronischen subklinischen Entzündung manifestiert.“
Hilfe durch Antioxidantien
Antioxidantien können den Teufelskreislauf durchbrechen, indem sie die freien Radikale abfangen. Dadurch kann die überschießende Immunantwort gedämpft und damit der Entzündungsverlauf positiv beeinflusst werden. Normalerweise verfügt der Körper über ein gut austariertes System wirksamer Abwehr- und Reparaturmechanismen. An ihnen sind Enzyme wie die Superoxiddismutase und die Glutathionperoxidase (mit Selen als zentralem Bestandteil) genauso beteiligt wie die Vitamine A, C und E, Flavonoide, Polyphenole und das Coenzym Q10. Eine besondere Bedeutung kommt dem fettlöslichen Vitamin E zu. Da es membrangebunden ist und sich somit in unmittelbarer Nähe zur Arachidonsäure befindet, kann es diese besonders gut schützen.
Weniger Medikamente
Der positive Einfluss von Antioxidantien auf Entzündungen wird von einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten bestätigt. Prof. Adam betont: „Epidemiologische Untersuchungen haben ergeben, dass Patienten, die an Entzündungserkrankungen leiden, häufig einen schlechten Antioxidantien-Status aufweisen. Umgekehrt zeigen klinische Studien, dass Patienten mit einer optimalen Versorgung an Antioxidantien Vorteile haben.“ Arbeiten, bei denen die Ergebnisse verschiedener Einzelstudien zusammengefasst und statistisch bewertet werden, seien eher kritisch zu betrachten. „Derartige Metaanalysen“, so der Münchner Forscher, „sind in ihrer Aussagekraft oftmals sehr limitiert.“
Sehr gute Erfahrungen hat man zudem in der Praxis gewonnen. Dr. Dr. Erwin Häringer ist Arzt für Allgemeinmedizin in München, und er empfiehlt die Einnahme von bestimmten Antioxidantien wie hoch dosiertem Vitamin E bei Patienten mit chronischen Entzündungserkrankungen. „Wir können dadurch sehr oft die herkömmliche, medikamentöse Therapie zurückfahren und beispielsweise die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich reduzieren*.“ Offensichtlich unterstützen sich dabei unterschiedliche Antioxidantien wie Vitamin E und Selen in ihrer protektiven Funktion und ergänzen die entzündungshemmende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren. Sie können, laut Prof. Adam, additiv wirken. Seine Dosierungsempfehlung ist situationsabhängig, er rät zu höherer Dosis, wenn es um Krankheitsminimierung oder um die Reduktion von Risikofaktoren geht, und zu niedriger, wenn der Ausgleich von Ernährungsmängeln im Vordergrund steht.
Der Körper braucht Antioxidantien, um den oxidativen Stress erfolgreich zu managen, oftmals überschreitet dabei der Bedarf die Aufnahme über die Ernährung. Und da scheint das Angebot nicht immer das allerbeste zu sein. Dr. Häringer weist darauf hin: „Unsere moderne Ernährung stellt dem Körper häufig nur noch unzureichend Radikalfänger zur Verfügung. Dadurch können die körpereigenen Systeme, die den oxidativen Stress ausbalancieren sollen, chronisch überfordert sein.“ Davon seien, nach Meinung des Münchner Mediziners, besonders jüngere und ältere Patienten betroffen, deren Ernährung mit deutlichen Mängeln an essentiellen Nahrungsbestandteilen behaftet sei. Und Prof. Adam ergänzt: „Aufgabe in der Zukunft ist es, für Patienten mit einem erhöhten Verbrauch an Antioxidantien die für sie zutreffende Kombination herauszufinden, um die Ernährung sinnvoll zu ergänzen und einen Vorteil für Betroffene mit entzündlichen, allergischen oder degenerativen Krankheiten zu erwirken.“
* anlässlich eines Expertengesprächs in Pullach im August 2009

Die altersbedingte Makuladegeneration führt bei vielen Menschen zu einem fortschreitenden Nachlassen des Augenlichts. Dabei verliert die Makula – die Stelle des schärfsten Sehens – nach und nach ihre Funktion. Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Erblindungsursache bei älteren Menschen; in Deutschland sind schätzungsweise bis zu vier Millionen Patienten von dieser Krankheit betroffen.
Bei der Entstehung der AMD spielen freie Radikale eine Rolle, die durch Licht (vor allem durch energiereiches blaues Licht) in der Netzhaut gebildet werden. Mit zunehmendem Alter können die aggressiven Moleküle oft nicht mehr ausreichend entschärft werden. Die Folge: eine schleichende Zerstörung der Sehzellen.
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Antioxidantien diese degenerativen Prozesse hemmen und damit die Sehkraft länger erhalten können. Dazu zählt vor allem das Vitamin E. Positiv wirken sich aber auch Vitamin C, ß-Carotin und das Spurenelement Zink aus. Eine Studie der Universität Rotterdam an über 4.000 Personen, die mindestens 55 Jahre alt waren, kam zu dem Ergebnis, dass der höchste Schutzeffekt mit der Kombination von Vitamin E mit ß-Carotin, Vitamin C und Zink erreicht wurde. Studienteilnehmer, die überdurchschnittliche Mengen dieser Vitalstoffe zu sich nahmen, hatten gegenüber denjenigen mit nur durchschnittlicher Zufuhr im Beobachtungszeitraum von acht Jahren ein um ein Drittel (35 Prozent) geringeres Risiko, an AMD zu erkranken. Aber auch eine Hochdosis-Supplementierung mit Vitamin E allein senkte bereits das Erkrankungsrisiko, allerdings etwas weniger ausgeprägt.
Quelle:
van Leeuwen R, et al.; Dietary intake of antioxidants and risk of age-related macular degeneration. JAMA 294 (2005): 3101-7.

Rheumatische Erkrankungen wie Arthrose und Arthritis sind weit verbreitet und häufig mit ausgeprägten Schmerzen verbunden; allein in Deutschland leiden rund sechs Millionen unter chronischen Gelenkschmerzen. Bei diesen rheumatischen Erkrankungen werden im Bereich der Krankheitsherde vermehrt freie Radikale gebildet, die nicht nur an den Antioxidantienreserven des Körpers zehren. In den Gelenken greifen sie auch direkt den Knorpel an und zerstören ihn.
Eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen der letzten Jahre zeigt, dass vor allem Vitamin E in der Lage ist, den Verlauf rheumatischer Erkrankungen
Seine positive Wirkung beruht wahrscheinlich auf der Kombination von zwei Funktionen: So fängt Vitamin E die schädlichen freien Radikale ab, und es kann die Bildung von Entzündungsmediatoren wie Prostaglandinen hemmen. Der sich dadurch ergebene schmerzlindernde Effekt ist mittlerweile gut belegt.
Beispielsweise konnte bei Patienten mit entzündlicher Arthrose, die dreimal täglich jeweils 400 mg Vitamin E erhielten, in 77 Prozent der Fälle der Ruheschmerz und in 62 Prozent der Fälle auch der Bewegungsschmerz vermindert oder sogar beseitigt werden1. Eine weitere Untersuchung prüfte, ob die zusätzliche Einnahme von Vitamin E Arthritis-Patienten soweit helfen kann, dass sie die Dosis ihrer Schmerzmedikamente reduzieren können. Ergebnis: Nach sechs Monaten benötigten Teilnehmer, die täglich 1.200 Internationale Einheiten (I.E.) Vitamin E bekamen, deutlich weniger Schmerzmittel. Die durchschnittliche tägliche Dosis des chemischen Wirkstoffs Diclofenac konnte von 94 mg auf 53 mg gesenkt werden2. In einer weiteren Arbeit verglichen Mediziner schließlich die Wirksamkeit von Vitamin E und Diclofenac in der Rheumatherapie. Die Ergebnisse waren in beiden Patientengruppen ähnlich: Nach dreiwöchiger Behandlung brachte sowohl Vitamin E (dreimal täglich 400 mg) als auch Diclofenac (dreimal täglich 50 mg) eine deutliche Besserung bei den klinischen Parametern Schmerz, Morgensteifigkeit und Griffstärke3.
Insgesamt weisen die wissenschaftlichen Erkenntnisse darauf hin, dass die Einnahme von Vitamin E helfen kann, entzündliche Prozesse einzudämmen und den Schmerzmittelbedarf bei chronischen Erkrankungen zu verringern.
Quellen:
1 Scherak, O et al.; Hochdosierte Vitamin E-Therapie bei Patienten mit aktivierter Arthrose. Z. Rheumatol. 49 (1990): 369 – 373.
2 Herborn, G et al.; Kann durch die zusätzliche Vitamin-E-Gabe die Dosis von Diclofenac bei Patienten mit chronischer Polyarthritis reduziert werden? Z. Rheumatol. 53 (1994; Suppl. 1): 70.
3 Wittenborg, A et al.; Wirksamkeit von Vitamin E im Vergleich zu Diclofenac-Natrium in der Behandlung von Patienten mit chronischer Polyarthritis. Z. Rheumatol. 57 (1998): 215-221.

Eine der häufigsten Ursachen für Schilddrüsenunterfunktion ist die Hashimoto- Thyreoiditis. Sie zählt zu den am meisten verbreiteten Autoimmunerkrankungen; in Westeuropa sind rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Die klinisch nicht erfassten Verläufe werden allerdings auf bis zu acht Prozent geschätzt. Achtzig Prozent der Erkrankten sind Frauen. Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Entzündung, die das Schilddrüsengewebe zerstört. Sie gilt als nicht heilbar. In der Anfangsphase kann die Erkrankung zunächst zu einer vorübergehenden Überfunktion führen, später folgt jedoch immer die Unterfunktion der Schilddrüse. Hashimoto geht oft mit anderen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes Typ I einher.
Untersuchungen haben gezeigt, dass der Krankheitsverlauf durch die Verabreichung von Selen positiv beeinflusst werden kann. Mit 200 Mikrogramm Selen täglich verbesserte sich das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität der Patienten erheblich, wie eine Studie der Universität München ergab1; teilweise gingen auch Allergien zurück. Die thyreoidalen Peroxidase-Antikörper-Werte (TPO-AK) als Indikator für die Aktivität der Krankheit verringerten sich nach drei Monaten um bis zu 40 Prozent. Wurde die Behandlung fortgesetzt, sank der TPO-Wert nochmals, nach dem Absetzen der Selen-Supplementierung stiegen die TPO-AK-Werte dagegen wieder an2.
Die Schilddrüse gehört zu den Organen, die den höchsten Gehalt an Selen im Körper aufweisen. Das Element schützt vor aggressivem Wasserstoffperoxid, welches bei der Synthese der Schilddrüsenhormone entsteht und zu den freien Radikalen zählt. Wird es nicht zuverlässig eliminiert, kann es die Hashimototypischen Schäden der Schilddrüse hervorrufen. Selen in höheren Dosierungen sollte jedoch nur in Absprache mit dem Arzt supplementiert werden.
Quellen:
1 Gärtner R; Selenium in the treatment of autoimmune thyroiditis: BioFactors. 3-4/2003, Volume 19:165-170.
2 Mazokopakis EE; Effects of 12 months treatment with L-selenomethionine on serum anti-TPO Levels in Patients with Hashimoto's thyroiditis; Thyroid. 2007, Jul:17(7): 609-12.
Herausgeber:
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V.i.S.d.P.:
Kay Richter
Ebba Loeck
Redaktion:
Sepideh Roozbiany
Ausgabe:
September 2009
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