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Immer mehr Menschen leiden an Übergewicht – und aller Sportbegeisterung zum Trotz: Auch wenn die Olympiade und demnächst die Fußballweltmeisterschaft die ganze Nation in ihren Bann schlagen, wird für eine Menge Fans der eigentliche Sport dabei delegiert – auf die Athleten.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Übergewicht inzwischen als globale Epidemie. Adipositas wird zur „Globesitas“. In Deutschland sind etwa die Hälfte der erwachsenen Männer und rund ein Drittel der erwachsenen Frauen mit einem Bodymass-Index (BMI) von mehr als 25 übergewichtig. Adipös mit einem BMI über 30 ist immerhin ein Fünftel der Erwachsenen. Übermäßiges Übergewicht belastet Knochen und Gelenke. Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sind die Folgen.
Die Ursachen für Übergewicht liegen praktisch in allen Fällen in unserer Lebensweise begründet. Die natürliche Waage zwischen Energieaufnahme und Energieumsatz ist längst aus dem Gleichgewicht geraten. Wir essen zu viel und bewegen uns zu wenig.
Neben dem Überangebot an energiedichter Nahrung nehmen die Sitzzeiten im Alltag ständig zu. Vor diesem Hintergrund könnte man meinen, es gäbe zu wenig Bewegungsangebote in Deutschland und vielleicht auch zu wenig Aufklärung in diesen Bereich. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nie zuvor wurde mehr Sport angeboten, und dennoch muss das Paradoxe auf den Punkt gebracht werden. Zu keiner Zeit in der Menschheitsgeschichte waren wir weniger körperlich aktiv. So erreichen heutzutage nur zirka 20 Prozent der Bevölkerung hierzulande den Aktivitätsstatus, der notwendig ist, um dauerhaft fit, gesund und schlank zu bleiben. Bekannt ist das Bild von der „Coach Potato“, jenem Bewegungsmuffel, der begeistert Sportereignisse im bequemen Fernsehsessel verfolgt und dazu Bier und Chips genießt.
Während Leistungssportler durch richtiges Essen und Trinken ihre Fitness von innen aufbauen, trainiert der bewegungsarme Sitzmensch nur seine Fähigkeit, Energie effizient als Fett im Fettgewebe zu speichern – eine wesentliche Voraussetzung für das überleben unserer Vorfahren. Diese genetische Disposition entfaltet ihr Potential unvermindert auch im Wohlstand und erfordert entsprechendes Gegensteuern beim Essen: Statt konzentrierter Kalorien (energiedichte Nahrung) müssen wir uns mit volumenreicher Kost (wasser- und ballaststoffreiche Lebensmittel mit geringer Energiedichte) satt essen.
Was die so genannten Makronährstoffe betrifft, so muss bei den beiden Hauptenergielieferanten Kohlenhydraten und Fetten sowohl auf die richtige Menge als auch die Qualität geachtet werden. Die Eiweißaufnahme darf dagegen durchaus etwas angehoben werden. Zusammen mit vermehrter körperlicher Aktivität erhält Protein unsere Muskulatur als den Aktivposten für die Aufrechterhaltung der Stoffwechselrate, einen adäquaten Energieumsatz und damit auch beim erfolgreichen Gewichtsmanagement.
Wer schlank werden und bleiben will, muss seine Ernährungsgewohnheiten und sein Bewegungsverhalten umstellen. Wer sich mehr bewegt, erhöht den Spielraum dafür, mehr Essen und Genießen zu dürfen – und damit zugleich die Sicherheit der Nährstoffversorgung.
Aber: Wer ausschließlich seine Energieaufnahme stark verringert, macht aus einer Diät eine Mangeldiät. Zu kurz kommen dabei lebensnotwendige Vitalstoffe, ohne die ein aktiver Stoffwechsel nicht funktioniert, wie etwa B-Vitamine, Magnesium, Calcium, Kalium, Jod, Eisen, Chrom, Selen und Zink. Bekannt ist auch, dass eine allzu strenge Einschränkung der Fettaufnahme einer sicheren Versorgung mit Vitamin E, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren entgegensteht. Die Sicherstellung der Mikronährstoffversorgung ist jedoch ebenso Grundvoraussetzung für den Diäterfolg wie das Ausbalancieren von Energieaufnahme und Energieausgabe.
Was zu beachten ist, wenn man abnehmen möchte, und was wirklich sinnvoll sein kann, darum geht es auf den folgenden Seiten. Je tiefer man in den Energiehaushalt des Körpers eingreift, desto mehr muss man auch auf Folgewirkungen und Nebeneffekte schauen. Dabei geht es nicht nur um Kalorien, Kohlenhydrate, Proteine und Fette, es geht immer auch um Mikronährstoffe.
Prof. Dr. Michael Hamm
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Prof. Dr. Michael Hamm, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
400 und mehr Schlankheitsdiäten soll es schon geben. Die Verwirrung ist perfekt. Was die eine Diät in den Mittelpunkt ihrer Empfehlungen stellt, ist bei der anderen verboten. Fettaugen zählen oder Kohlenhydrate verteufeln – Diäten kommen und gehen. Auch die Herausstellung einzelner vermeintlich besonders schlankmachender Lebensmittel wie Ananas, Eier, Zitronen, Körner oder Steaks führt letztendlich nur zu einer einseitigen Ernährung, fördert den Mikronährstoffmangel und führt letztendlich auch zum Diätabbruch.
Dabei gilt längst: Je weniger Diät(en) man macht, desto besser kann man abnehmen. Und die beste Diät ist die, von der die wenigsten wieder abspringen. All dies deutet auf die Wichtigkeit einer dauerhaften und persönlich zufrieden stellenden Strategie im richtigen Zusammenspiel aus ausgewogener Ernährung und genügend körperlicher Aktivität hin.
Die kontroverse Diskussion der Rolle der Nahrungskohlenhydrate und Fette als Verursacher von übergewicht und ihre jeweiligen Anteile in einer Gewichtsreduktionsdiät zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Schlankheitsdiäten. Mal heißt es „low fat“ mit alleiniger Fokussierung auf den Fettgehalt bei gleichzeitiger Freigabe der Kohlenhydrate. Ein anderes Mal wird „low carb“ gefordert und die Eiweiße (und Fette) werden großzügig zugelassen. Eine Verfeinerung stellt noch das bekannte GLYX-Prinzip dar, wobei dem Einfluss verschiedener Nahrungskohlenhydrate auf den Blutzuckerspiegel und die anschließende Insulinantwort besondere Bedeutung zugemessen wird.
In allen Prinzipien steckt ein „Körnchen“ Wahrheit, aber alle bergen auch die Gefahr von Defiziten wie bei allen Extremen. Sind es bei „low fat“ die fettlöslichen Vitamine und essenziellen Fettsäuren, die im Einzelfall kritisch werden können, muss bei „low carb“ damit gerechnet werden, dass Defizite an Ballaststoffen, Magnesium, Kalium und Folsäure auftreten können. Auch erfordert der Säure-Basen-Haushalt dann besondere Beachtung, wenn vor allem pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst zu kurz kommen. Diese habenwiederum wie kernige Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte einen günstigen Einfluss auf das Blutzuckerverhalten und die damit verbundene Sättigung. Und schlank werden kann bekanntlich nur, wer nicht ständig Hunger verspürt.
In diesem Zusammenhang haben auch Nahrungsproteine einen besonderen Stellenwert. Sie sättigten gut und sind in Verbindung mit körperlicher Aktivität wichtig für den Aufbau und Erhalt der Muskelmasse und damit für die Aufrechterhaltung der Stoffwechselaktivität (Anti-Jo-Jo-Effekt) während einer Gewichtsreduktion. Durch ihre hohe thermogenetische Wirkung (stoffwechselbedingte Wärmebildung) sind Eiweiße zudem ein unökonomischer Energielieferant. Der Anteil der Energie, die in Wärme umgewandelt wird, macht 20 bis 50 Prozent aus. Bei Kohlenhydraten sind es vier bis sieben und bei Fetten nur höchstens vier Prozent. Während einer Gewichtsreduktion kann der Energieanteil der Kost daher zu 20 bis 25 Prozent aus Eiweiß bestehen. Das entspricht maximal 2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht.
Pfunde verlieren – aber nicht die Vitalität
Kritisch sind alle einseitigen (Crash-) Diäten und das FdH-Prinzip zu sehen. Sie bieten die größte Gefahr von Mangelerscheinungen und führen zur höchsten Abbruchrate unter den Diäten. Ein Lern- und Dauererfolg bleibt aus. Doch auch Leistungssportler können im Zusammenhang mit der Gewichtsfrage Probleme bekommen ebenso wie diejenigen, die es beim Abnehmen in beiden Bereichen übertreiben, d. h. die Ernährung zu stark einschränken und sich exzessiv bewegen.
Bei hohem Energieumsatz und bedarfsgerechter Energiezufuhr ist im Allgemeinen eine gute Mikronährstoff- und Proteinversorgung zu erwarten, da der Bedarf an Mikronährstoffen und Eiweiß nicht überproportional zum Energiebedarf steigt. Besonders zu beachten sind allerdings Proteine, B-Vitamine, Calcium, Eisen, Zink, Jod, Selen, Chrom, Calcium, Kalium und Magnesium bei unterkalorischer Ernährung in Sportarten mit Gewichtslimitierung und besonderen Anforderungen an ein niedriges Körpergewicht wie z. B. beim Kunstturnen, Rhythmischer Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Skispringen, Ballett sowie bei Jockeys und Sportlern, die ihren Wettkampf in Gewichtsklassen absolvieren verbunden mit den diesbezüglichen Abnahmetechniken, dem so genannten Gewichtmachen. Daraus folgen bestimmte Kriterien für die Überprüfung von Schlankheitsdiäten und Anforderungen an die persönlich richtige Schlankheitsstrategie.
Checkliste zur überprüfung von Schlankheitsdiäten
Schlankheitsdiäten, die sowohl mit den Erfordernissen des Körpers als auch denen des Alltags kollidieren, bekommen von vornherein die rote Karte. Man kann selbst prüfen, ob die gewählte Diät vor den folgenden Kriterien bestehen kann.
Nachhaltige Strategien gegen Übergewicht
Ein gesundes und auf Dauer zufrieden stellendes Gewichtsmanagement basiert auf den folgenden fünf Schritten zum erfolgreichen Abnehmen:
Für den Dauererfolg ist schließlich die körperliche Aktivierung – sei es durch mehr Bewegung im Alltag oder durch Sport in der Freizeit – unerlässlich.


Prof. Dr. Aloys Berg, Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Innere Medizin, Abt. Sportmedizin Universität Freiburg, Institut für Sport und Sportwissenschaft, Arbeitsbereich Sporternährung
Wenn man sein Gewicht nicht nur vorübergehend reduzieren möchte, muss man mehr Energie verbrauchen, als man zuführt. An ausreichend körperlicher Betätigung – und das heißt in aller Regel Sport – führt deshalb kein Weg vorbei. Bei unseren Vorfahren war das normalerweise überhaupt kein Problem; sie hatten eher Schwierigkeiten, genügend zu Essen zu bekommen, bei gleichzeitig anstrengender Arbeit. Diese Anstrengungen fehlen uns heute.
Moderater Sport wie Wandern oder Laufen lässt sich sehr einfach realisieren, ohne dass man sein Leben radikal umorganisiert. Schon drei mal 30 Minuten Aktivität in der Woche zeigen günstige Wirkungen auf die Gesundheit, auch wenn häufigeres Training erwünscht und besser ist. Alltägliche Freizeitaktivitäten wie etwa Gartenarbeit können 1.500 Kilokalorien pro Woche verbrauchen, gezielter Sport wie zügiges Spazieren gehen, Schwimmen usw. noch einmal weitere 1.000 Kilokalorien. Damit ist man schon deutlich über der Schwelle von 2.000 Kilokalorien/Woche, die als medizinisch präventiv zur Verhütung artheriosklerotisch und metabolisch bedingter Erkrankungen gelten. Mäßiger Sport in diesem Umfang kann problemlos von jedem ausgeübt werden, es bedarf dazu keiner besonderen Fitness.
Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil an aktiver Muskelmasse immer mehr ab und wird durch Fetteinlagerungen als kompensiert. Damit verschiebt sich auch der Stoffwechsel immer mehr in eine Richtung, die die Entwicklung chronischer Leiden wie Artheriosklerose oder Diabetes begünstigt. Risikofaktoren wie hohe Entzündungs- und Insulinwerte und ungünstige Cholesterinwerte können durch regelmäßige körperliche Aktivität positiv beeinflusst werden. Dadurch verbessert sich auch die Stimmung, und das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit wird erhöht.
Wer es sich angewöhnt, möglichst täglich nur leicht anstrengenden Sportarten wie z. B. Laufen nachzugehen, der wird schnell auch mehr Lust zu solchen Betätigungen bekommen. Langfristig sind ihm positive Auswirkungen auf sein Gewicht und seine Gesundheit sicher. Mit gezieltem anstrengendem Training lassen sich zwar schneller überflüssige Pfunde abbauen, allerdings müssen dabei auch eine Reihe anderer Faktoren wie Diät und Mikronährstoffe beachtet werden.

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Ellrott, Institut für Ernährungspsychologie, Universitätsmedizin Göttingen
Das menschliche Genom ist optimiert für ein überleben in knappen Zeiten. Permanente Hunger- und Dürreperioden haben während der menschlichen Stammesgeschichte zur Ausbildung vielfältiger Überlebensprogramme zur Vermeidung des Hungertodes geführt. Es hat jedoch zu keiner Zeit längere Perioden des permanenten Überflusses an Nahrungskalorien gegeben. Folgerichtig war es für den Menschen nie notwendig, Überlebensprogramme gegen ein Zuviel genetisch zu verankern. So sind auch moderne Menschen genetisch noch immer auf eine Vermeidung von Mangelernährung programmiert. übersetzt in einfache Botschaften lauten die Vorgaben für das überleben in knappen Zeiten: Iss, was Du bekommen kannst! Bewege Dich nur, wenn es für die Nahrungssuche oder Fortpflanzung unbedingt nötig ist! Keine unnütze Bewegung!
Erst in den letzten 50 Jahren hat sich der Überlebensvorteil dieser Programme in einen erheblichen Nachteil unter Überflussbedingungen gewandelt. In derart kurzen Zeiträumen kann es jedoch keine genetischen Anpassungen geben. Das kognitive Gegensteuern gegen die Überlebensprogramme für Notzeiten ist zwar grundsätzlich möglich, durch die starke biologische Verankerung solcher Programme sind die Einflussmöglichkeiten aber nicht beliebig. Das Ernährungsverhalten in Deutschland, grundsätzlich zutreffender als Essverhalten bezeichnet, bietet somit eine gewisse Chance, durch Veränderungen zu einer wirkungsvollen Prävention der verschiedenen Risikofaktoren und Erkrankungen beizutragen. Einmal muss Einigkeit über die Ziele auf nutritiver Seite erzielt werden. Dies obliegt den medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Fachgesellschaften. Entscheidend ist dann aber die Frage, welche Maßnahmen geeignet sind, diese Ziele im Essverhalten der Deutschen durchzusetzen.
Deutlich geworden ist in den vergangenen Jahren jedoch, welche Maßnahmen in diesem Punkt wenig Erfolg versprechen: Rationale, durch Gesundheitsargumente gestützte Empfehlungen zur Ernährung. Auch die rigide Einteilung bestimmter Lebensmittel in „gesunde“ und „ungesunde“, die wissenschaftlich in keiner Weise haltbar ist, hat nur dazu geführt, dass der Verbraucher diese Klassifikation kennt und dennoch – zumeist mit Schuldgefühlen – solche „ungesunden“ Lebensmittel isst. Das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ ist inzwischen als grundsätzlich ungeeignet erkannt worden, da es als ein rigide Verhaltenskontrolle zur Bewältigung der Ernährungsentscheidung in Überflusssituation eher zu Essstörungen, nicht aber zu adäquat reguliertem Essverhalten führt.
Aussichtsreicher erscheinen bereits alle Strategien, die sich an das Essverhalten der Bevölkerung wenden und die unterschiedlichen Motivstrukturen (so etwa „Genuss und Geschmack“ oder „Convenience“) berücksichtigen, die das Essverhalten steuern. Das Essverhalten der Bevölkerung ist – entgegen immer wieder gehörten Beschwörungen – nicht resistent gegenüber Veränderungen. Zahllose Gerichte und Lebensmittel, wie Pasta und Pizza, sind in der deutschen Küche als neue Elemente hinzugekommen. Der Trend zu Bio-Kost und fair gehandelten Produkten, der Verzicht auf Fleisch aus Angst vor BSE, die millionenfach durchgeführten Diäten und anderes belegen, dass Essverhalten zu ändern ist. Es spricht vieles dafür, dass diese Veränderungen bei gesunden oder sich gesund fühlenden Menschen jedoch nicht über eine Aktivierung ihres Gesundheitsmotivs und auch nicht in beliebigem Umfang gelingen.
Literatur:
Ellrott T (2010); Ernährungsberatung und Ernährungsaufklärung – Limitationen und Chancen, Niedersächsisches Ärzteblatt 5/2010 – im Druck
Uwe Schröder, Ernährungswissenschaftler, Institut für Sporternährung e.V., Bad Nauheim
Fitness ist die Grundlage für ein langes und beschwerdefreies, gesundes Leben. Ausreichend körperlicher Bewegung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Wenn es an ihr mangelt, kann Freizeitsport zwar viel ausgleichen, er kann sie aber nicht ersetzen. Allerdings zeigen schon täglich 20 Minuten mäßiger Übungen mit leicht erhöhtem Puls positive Wirkungen. Richtig fit wird man aber erst ab einem bewegungsbedingten Mehrverbrauch von rund 1.000 Kilokalorien pro Woche. Dieser Wert sollte im Verlauf mehrerer Monate auf 2.500 bis 3.500 Kilokalorien gesteigert werden, verteilt auf wöchentlich fünf bis sieben Übungszeiten.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollte das absolute Trainingsminimum zweieinhalb Stunden mäßiger Bewegung pro Woche nicht unterschreiten. Bei intensiver Bewegung kann diese Zeit halbiert werden. Wer indessen gezielt seine Fitness steigern möchte, sollte die jeweilige Mindestdauer verdoppeln, also fünf Stunden moderates und zweieinhalb Stunden intensives Training kalkulieren. Mindestens zweimal pro Woche sollte die Muskulatur gestärkt werden.
Moderate Bewegung könnte zum Beispiel sein: Wandern, gemächliches Fahrradfahren, Skateboarden, Inline-Skating, Haus- und Gartenarbeit, leichte Ballspiele, Tischtennis, Kegeln, Bowling usw.
Intensive Bewegung erfordert beispielsweise forciertes Fahrradfahren, Laufen, Fußball, Seilspringen, Kampfsport, Eishockey, Basketball, Schwimmen, Tennis, Skilanglauf, leistungsorientierter Tanz und ähnliches.
Zur Kräftigung der Muskulatur empfehlen sich Krafttrainingsgeräte, Kletterwand, Trampolinspringen, Laufen, Gymnastik, Basket- und Volleyball, Tennis und ähnliches.
Wer abnehmen möchte, kommt nicht um eine erhöhte Fettverbrennung herum. Dies beinhaltet neben gesteigerter körperlicher Aktivität ein angepasstes Ess- und Trinkverhalten. Mahlzeiten mit einem niedrigen glykämischen Index (wie z. B. Vollkornprodukte, die dem Körper keinen schnell verfügbaren Zucker zuführen) in zeitlicher Nähe zu den Aktivitäten können den Fettanteil an den verbrauchten Kalorien erhöhen. Insbesondere Frühsport – vor dem Frühstück! – kann die Fettverbrennung deutlich steigern. Es ist in dieser Hinsicht auch sinnvoll, vor körperlichen Aktivitäten drei Stunden lang nichts oder nur sehr kohlenhydratarm zu essen. Die Wartezeit bis zu einer nachfolgenden Nahrungsaufnahme sollte mindestens zwei Stunden betragen, um möglichst effizient Fett zu verbrennen. Während und unmittelbar nach körperlicher Belastung sollte man nur kohlenhydratfreie Getränke zu sich nehmen, am besten nur Wasser.
Tipps:
Experteninterview
Warum ist Sport so wichtig? Reicht es nicht, sich im Alltag vermehrt zu bewegen? Prof. Dr. Aloys Berg, Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Innere Medizin, Abteilung Sportmedizin:
Sport und moderate Freizeitaktivitäten sind mehr denn je unverzichtbare Komponenten zur Stabilisierung des Körpergewichts. Sie verbessern die metabolische Fitness und senken das damit verbundene Herzkreislauf- und Stoffwechselrisiko. Empfohlen wird, täglich mindestens 30 Minuten über die alltäglichen Basisaktivitäten hinaus als gezielte körperliche Freizeitaktivität einzubringen. Ein gesundheitlicher Nutzen kann dabei bereits ab einem Freizeitaktivitätsumfang (Basis- plus Zusatz-Aktivität) von etwa 2.000 kcal/Woche erwartet werden. Zur Erreichung dieses aktiven Freizeitziels können auch „sanfte“ Aktivitätsformen (Wandern, Spazierengehen) empfohlen werden – und dies ohne kostspielige Hilfsmittel und ohne sportartspezifische Vorerfahrung.
Was ist mit Senioren? Ist es nicht völlig normal, mit zunehmendem Alter auch an Gewicht zuzulegen, ohne dass dies gleich ein Gesundheitsrisiko darstellt?
Prof. Dr. Berg
Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Anteil an aktiver Muskelmasse deutlich ab und wird durch Fetteinlagerungen mehr als nur kompensiert. Die Körperkomposition verschlechtert sich, das Körpergewicht nimmt kontinuierlich zu. Als weitere Folge wird auch das körpereigene Gleichgewicht von Schutz- und Schadensfaktoren in Richtung auf eine Stoffwechselsituation verändert, die die Entwicklung von chronischen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Diabetes und auch Krebs fördert. über regelmäßige körperliche Aktivität auch mit moderater Intensität können Risikofaktoren wie erhöhte Insulin- und Entzündungswerte, ein erhöhter Anteil an Triglyzeriden und ein ungünstiges Verhältnis der Cholesterinfraktionen positiv beeinflusst werden. Auch die sich zusätzlich einstellenden Gesundheitseffekte bei gezielter Freizeitaktivität sind von Bedeutung: erhöhtes Wohlbefinden, verbesserte muskuläre Leistungsfähigkeit, erniedrigtes Krebs- und Osteoporoserisiko.
Warum sollte ich Sport treiben, wenn ich auch durch meine Ernährung mein Gewicht normalisieren kann?
Uwe Schröder, Ernährungswissenschaftler, Institut für Sporternährung e.V., Bad Nauheim:
Abnehmen ist nicht alles. Langzeitstudien beweisen: Fitness ist die Basis eines langen Lebens mit hoher Lebensqualität. Es sind die Nicht-Fitten, die vorzeitig erkranken oder sogar sterben. Dünne Untrainierte sind stärker gefährdet als fitte übergewichtige. Freizeitsportliche Aktivität kann fehlende Alltagsbewegungen hinsichtlich des Energieverbrauchs sowie der Minimierung des Zivilisationserkrankungsrisikos ergänzen, in der Regel aber nicht ersetzen. Eine regelmäßige und hohe Alltagsaktivität reduziert nachweislich das Risiko für Herzerkrankung, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes, hohen Blutdruck, erhöhte Blutfette, das Metabolische Syndrom sowie von Darm- und Brustkrebs. Tägliche Bewegungsumfänge von 20 Minuten mit einem leicht erhöhten Puls sind bereits wirksam.
Was sind denn die Mindestanforderungen für ein fitnessorientiertes Trainingsprogramm?
Uwe Schröder:
Wenigstens 150 Minuten mäßige oder 75 Minuten intensivere Bewegung pro Woche könnten ein guter Anfang sein. Dazu zählen Laufen, Fahrrad- oder Skateboardfahren und ähnliches, aber auch Haus- und Gartenarbeit. Wer gezielter an seiner Fitness arbeiten möchte, sollte die jeweiligen Zeiten verdoppeln. Das bedeutet 300 Minuten mäßiger Sport oder 150 Minuten intensivere Betätigung zum Beispiel mit Fußball, Eishockey, Basketball, Schwimmen, Kampfsport, forciertem Laufen, sportlichem Radfahren usw.
Wie sollte meine Nahrung beschaffen sein, wenn ich Sport treibe und gleichzeitig mein Gewicht reduzieren möchte?
Prof. Dr. Michael Hamm, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg:
Wer schlank werden möchte oder bleiben will, muss die Energiebilanz im Auge behalten. Zur Sättigung trägt ein hohes Nahrungsvolumen mit niedriger Energiedichte und höherem Proteinanteil bei. Auch reichlich Wasser ist ein Schlankmacher. Was die so genannten Makronährstoffe betrifft, so muss bei den beiden Hauptenergielieferanten Kohlenhydraten und Fetten sowohl auf die richtige Menge als auch auf die Qualität geachtet werden. Die Eiweißaufnahme darf dagegen durchaus etwas angehoben werden. Zusammen mit vermehrter körperlicher Aktivität erhält Protein unsere Muskulatur als den Aktivposten für die Aufrechterhaltung der Stoffwechselrate, für einen adäquaten Energieumsatz und damit auch für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement.
Welche Folgen hat es für meine Vitamin- und Mineralstoffversorgung, wenn ich Sport treibe, um auch abzunehmen?
Prof. Dr. Hamm:
Bei hohem Energieumsatz und bedarfsgerechter Energiezufuhr ist im Allgemeinen eine gute Mikronährstoff- und Proteinversorgung zu erwarten, da der Bedarf an Mikronährstoffen und Eiweiß nicht überproportional zum Energiebedarf steigt. Besonders zu beachten sind allerdings Proteine, B-Vitamine, Calcium, Eisen, Zink und Magnesium bei unterkalorischer Ernährung in Sportarten mit Gewichtslimitierung und besonderen Anforderungen an ein niedriges Körpergewicht. Dazu zählen Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Skispringen oder Ballett. Bedenken sollten dies vor allem Jockeys und Sportler, die ihren Wettkampf in Gewichtsklassen in Verbindung mit den diesbezüglichen Abnahmetechniken absolvieren.
Warum greifen Übergewicht und Fehlernährung offensichtlich um sich, obwohl Informationen und Tipps für eine gesunde Ernährung nahezu allgegenwärtig sind?
Priv.-Doz. Dr. Thomas Ellrott, Institut für Ernährungspsychologie, Universität Göttingen:
In den vergangenen Jahren ist deutlich geworden, welche Maßnahmen in diesem Punkt wenig Erfolg versprechen: rationale, durch Gesundheitsargumente gestützte Empfehlungen zur Ernährung. Auch die rigide Einteilung bestimmter Lebensmittel in „gesunde“ und „ungesunde“, die wissenschaftlich in keiner Weise haltbar ist, hat nur dazu geführt, dass der Verbraucher diese Klassifikation kennt und dennoch – zumeist mit Schuldgefühlen – solche „ungesunden“ Lebensmittel zu sich nimmt. Das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ ist inzwischen als grundsätzlich ungeeignet erkannt worden, da es als eine rigide Verhaltenskontrolle zur Bewältigung der Ernährungsentscheidung in Überflusssituationen eher zu Essstörungen, nicht aber zu adäquat reguliertem Essverhalten führt.
Gibt es denn eine sinnvolle Alternative dazu?
Dr. Ellrott:
Aussichtsreicher erscheinen bereits alle Strategien, die sich an das Essverhalten der Bevölkerung wenden und die unterschiedlichen Motivstrukturen berücksichtigen, die das Essverhalten steuern. Das Essverhalten ist – entgegen immer wieder gehörten Beschwörungen – nicht resistent gegenüber Veränderungen. Zahllose Gerichte und Lebensmittel, wie Pasta und Pizza, sind in der deutschen Küche als neue Elemente hinzugekommen. Der Trend zu Bio-Kost, der Verzicht auf Fleisch aus Angst vor BSE, die millionenfach durchgeführten Diäten und anderes belegen, dass das Essverhalten zu ändern ist. Es spricht vieles dafür, dass diese Veränderungen bei gesunden oder sich gesund fühlenden Menschen jedoch nicht über eine Aktivierung ihres Gesundheitsmotivs und auch nicht in beliebigem Umfang gelingen.
Wie könnte denn eine solche alternative Strategie umgesetzt werden?
Holger Stromberg, Koch der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft:
Die wichtigste Regel lautet: Kein Gericht ist generell ungesund – es kommt immer auf die Zutaten an! Die Energiezufuhr regelt sich normalerweise instinktiv, wenn ungesunde Verhaltensweisen ausgeschlossen und die Grundzüge einer gesundheitsbewussten Ernährung beachtet werden: regelmäßige Mahlzeiten statt wenige üppige, ein reichhaltiges und ausgewogenes Angebot nutzen, nicht auf bestimmte Lebensmittel wie Fleisch oder Nudeln konzentrieren. Essen muss mit allen Sinnen erfasst werden, dazu gehört auch die appetitliche Darstellung. Wer sich daran hält, kann auch mal Currywurst oder ähnliches essen, ohne deshalb ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Holger Stromberg ist Koch der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft
Wer ständig Spitzenleistungen erbringen muss, braucht eine ordentliche Ernährung, die alle Nährstoffe enthält und natürlich auch schmeckt. Das sind keineswegs Gegensätze, und eine appetitliche Präsentation gehört sowieso zu einem guten Mahl. So kann man ohne weiteres ein reichhaltiges Schlemmerbuffet anrichten, wenn man nur einige Grundregeln beachtet:
Ein Menü auf der Grundlage dieser Richtlinien kann außerordentlich appetitlich sein und wird auf den ersten Blick kaum erkennen lassen, dass es sich dabei um Nahrung für Leistungssportler handelt. Es schließt auch keineswegs Gerichte wie Burger oder Currywurst aus, die sonst eher ein Synonym für ungesundes Fastfood sind – vorausgesetzt, sie sind nicht Hauptnahrungsquelle. Kein Gericht ist per se ungesund – entscheidend sind immer die Zutaten!
Es kommt immer darauf an, alle Sinne anzusprechen und jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, seinem Instinkt zu folgen. Wenn der nicht durch langjährige ungesunde Essensgewohnheiten (unter Umständen auch -zwänge) völlig verändert worden ist, stellen der Appetit und das Körpergefühl ein sehr gutes Regulativ dar.

Weißer Heilbutt mit Olive-Krokant-Kruste auf gedämpftem Spinat und Orangen-Pfeffer-Butter
Zubereitung
Für die Kruste den Zucker karamellisieren. Die Mandeln zugeben und mit einem Holzlöffel im Karamell so verrühren, dass sie komplett von ihm umhüllt sind. Danach auf einem Backpapier auskühlen lassen. Sobald der Mandelkrokant erkaltet ist, fein stoßen oder hacken. Nun die Oliven fein hacken. Die Butter schaumig schlagen. Den Mandelkrokant, die Oliven, den Thymian und etwas Pfeffer dazugeben und alles zu einer glatten Masse rühren. Auf einer Klarsichtfolie zu einer Rolle mit ca. 4 cm Durchmesser formen, sehr kalt stellen oder einfrieren. Wenn sie ganz kalt ist, lässt sie sich gut in hauchdünne Scheiben schneiden.
Für die Orangen-Pfeffer-Sauce den rosa Pfeffer in einem Sieb zerreiben und die aus dem Sieb rieselnden Schalen auffangen. Nur diese werden zum Schluss für die fertige Sauce verwendet. Danach den Orangensaft zusammen mit dem Krustentierfond, dem Knoblauch, den Koriandersamen, den im Sieb verbliebenen rosa Pfefferkörnern und den Thymianstängeln auf 100 ml einkochen. Anschließend die Reduktion durch ein feines Sieb in eine Stilkasserolle geben, die aufgefangenen Pfefferschalen und die Butter dazugeben und alles mit einem Stabmixer zu einer feinen, gebundenen Buttersauce mixen. Mit Meersalz und weißem Pfeffer nachwürzen. Den Spinat putzen und waschen. Die Butter in einer Pfanne schmelzen, Spinat zugeben und mehrmals wenden, bis er zusammenfällt. Mit Salz und Muskat gut abschmecken.
Für den Heilbutt den Ofen auf Umluft/Grill, höchste Stufe, vorheizen und eine beschichtete Pfanne sehr stark erhitzen. Den Fisch in der Zwischenzeit mit etwas Erdnussöl einreiben und anschließend in der Pfanne 1 bis 2 Minuten auf beiden Seiten goldbraun grillen. Nicht salzen, nicht zu häufig wenden oder vom Feuer nehmen! Die Fischfilets auf ein Backblech legen und mit dünnen Scheiben Oliven-Krokant-Kruste belegen. Nun den Fisch auf der obersten Schiene ca. 3 Minuten gratinieren, bis die Kruste goldbraun ist. Ihn danach sofort aus dem Ofen nehmen.
Anrichten
Den Spinat in eine vorgeheizte Schale geben, den Heilbutt darauf betten und mit etwas Fleur de Sel de Guérande bestreuen. Die Orangen-Pfeffer-Sauce noch einmal gut aufmixen und zum Fisch reichen.
Tipp
Die Oliven-Krokant-Kruste passt auch zu Fleisch oder Geflügel hervorragend. Bereiten Sie am besten gleich eine größere Menge davon zu und frieren Sie sie gut verschlossen ein. So haben Sie sie beim nächsten Ma(h)l schon fertig und sparen Zeit. Sie werden sehen, das Gericht macht richtig süchtig und schmeckt auch Kindern, obwohl Oliven enthalten sind. Vielleicht verraten Sie das Ihren Kleinen erst nach dem Essen ..
Zutaten
Für die Oliven-Krokant-Kruste:
40 g Zucker, 50 g ganze Mandeln, geschält; 20 g schwarze Oliven, getrocknet; 50 g Butter, Zimmertemperatur, 1 Stängel Thymian, fein gehackt; weißer Pfeffer aus der Mühle
Für die Orangen-Pfeffer-Sauce:
1/2 EL rosa Pfeffer, 300 ml Orangensaft, 150 ml Krustentierfond, 2 Knoblauchzehen, zerdrückt; 1 TL Koriandersamen, zerdrückt; 2 Stängel Thymian, 70 g kalte Butter, Meersalz, weißer Pfeffer aus der Mühle
Für den Spinat:
200 g Babyspinat, geputzt und gewaschen; etwas Butter, Meersalz, etwas Muskat, gerieben
Für den Heilbutt:
Erdnussöl zum Grillen, 400 g weißer
Heilbutt
Außerdem
Fleur de Sel de Guérande
Herausgeber:
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V.i.S.d.P.:
Kay Richter
Ebba Loeck
Redaktion:
Sepideh Roozbiany
Ausgabe:
März | April 2010
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